Unser Thema des Monats Oktober:

Dauergäste im Elternbett

Frage einer besorgten Mutter:

Meine 9 jährige Tochter schläft nicht in ihrem eigenen Zimmer. Sie übernachtet auch nicht bei Freundinnen oder Großeltern, sondern sie schläft immer noch bei uns im Elternbett. Sie sagt mir, sie habe Angst in ihrem Zimmer, ich weiß aber nicht, wovor sie Angst hat. Wenn ich sie frage, kommen immer neue Begründungen, mal ein Fernsehfilm, mal etwas, dass sie erlebt hat.

Wir haben schon ganz viel versucht, um ihr das Schlafen im eigenen Zimmer schmackhaft zu machen: wir haben ihr gesagt, dass es auch für sie schöner sei, wenn sie mal bei anderen übernachten könne; wir fragen sie, ob sie es nicht mal versuchen möchte; wir verhandeln mit ihr, wann sie frühestens zu uns kommen kann - nichts hilft weiter. Sie kommt jede Nacht zu uns. Mittlerweile wird es regelrecht eng im Bett und Auseinandersetzungen mit meinem Mann gibt es auch vermehrt.

Tagsüber ist unsere Tochter sehr selbstbewusst, geht gerne in die Schule, hat Freundinnen, mit denen sie spielt. Sie wirkt gar nicht ängstlich, sondern durchsetzungsfähig mit eigenem Willen.

Was können wir tun? Warum schläft sie nicht in ihrem Bett? Wir möchten unsere Tochter nicht zwingen.

Unsere Antwort:
So, wie Sie Ihre Situation zu Hause beschreiben, habe ich die Vermutung, dass Ihre Tochter bisher einfach noch nicht gelernt hat, alleine in ihrem Zimmer zu schlafen. Kinder müssen aber lernen, dass sie es „überleben“, zeitweise – auch nachts – von den Eltern getrennt zu sein. Und das sogar, wenn sie Angst haben. Dies gehört zur Entwicklung von Kindern dazu.

Für das Schlafen im eigenen Bett gibt es Gründe, die man auch mit Kindern besprechen kann:
Eltern brauchen ihr Bett für sich alleine, dorthin gehören keine Kinder auf Dauer! Eltern sind auch ein Paar und haben ein Anrecht auf „kinderfreie Zone“.
Ein Kind, das nicht gelernt hat, alleine zu schlafen, wird irgendwann von Klassenkameraden gehänselt werden. Spätestens wenn es zu Einladungen zum Übernachten bei einer Freundin kommt oder auch zu einer Klassenfahrt, wird dies ein Thema sein.
Ein Kind muss die Erfahrung machen dürfen, dass es auch überlebt, wenn es zeitweise alleine ist und dass es mit Angst umgehen kann, sie aushalten kann.

Meine Vermutung ist, dass Sie Ihrer Tochter unbewusst die Botschaft vermittelt haben, ihr letzten Endes nicht zuzutrauen, alleine die Nacht zu überstehen und mit ihren Ängsten fertig zu werden! Damit verunsichern und ängstigen Sie selbst Ihre Tochter. Die Angst, die Ihre Tochter beschreibt, ist somit etwas, das man nicht so wirklich in Worte fassen kann oder das auch nicht ganz bewusst abläuft. Von daher bemüht sich Ihre Tochter um Erklärungen, die auch ihr selbst einleuchtender erscheinen, wie die von Ihnen oben beschriebenen Fernsehsendungen oder andere Erlebnisse des Tages.

Meine Empfehlung: Trauen Sie Ihrer Tochter das Schlafen im eigenen Zimmer zu und sagen Sie ihr dies auch. Machen Sie deutlich, dass ab sofort das Bett der Eltern tabu ist. Hier sollte nicht die Tochter gefragt oder mit ihr verhandelt werden, sondern die Eltern müssen dies entscheiden. Bieten Sie ihr an, in der Übergangszeit nachts kurz zu ihr zu kommen, wenn sie ruft! Sie können ihr auch einen Gegenstand von sich selbst mit ins Bett geben - ein „Übergangsobjekt“, das nach Mama oder Papa riecht, das Ihre Tochter in den Arm oder in die Hand nehmen kann, wenn sie sich alleine fühlt. Überlegen Sie mir mit ihr, welche schönen Dinge sie sich ausdenken kann, in die sie sich nachts hineinträumen kann, wenn sie wach wird. Ich bin sicher, dass Ihre Tochter es damit schaffen kann, im eigenen Bett zu schlafen und dann mit Ihnen zusammen ganz stolz auf sich sein wird, weil sie einen wichtigen Schritt in Richtung „Groß-Werden“ geschafft hat.

Autorin: Edith Thelen

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