Unser Thema:

Geschwisterrivalität

Frage einer Mutter:
Meine Nerven liegen blank. Ich habe das Gefühl, meine Tochter, 4 Jahre alt, und mein Sohn, 15 Monate, haben nicht viel für einander übrig. Meine Tochter nutzt Ihre körperliche Überlegenheit aus und piesakt den Kleinen, der daraufhin natürlich anfängt zu weinen.
Ich weiß nicht, warum sich meine Tochter so verhält. Kommt sie zu kurz und äußert das so mit ihrem eifersüchtigen Verhalten?
Wie schaffe ich es, zwei Kinder mit unterschiedlichem Alter sinnvoll zu beschäftigen? Spiele ich mit der Älteren, boykottiert der Kleine das Spiel und umgekehrt. Wenn ich mit meiner Tochter z.B. Memory spiele, zerwühlt er die Karten und nimmt sie auch in den Mund, was meine Tochter verständlicherweise sehr ärgert.
Meine Tochter hat im Augenblick noch andere Verhaltensweisen, mit denen ich nicht umgehen kann. Sie lässt mich nicht aussprechen, wenn eine andere Person mir etwas Wichtiges mitzuteilen hat, brabbelt dazwischen, wird laut, so dass wir kaum weiterreden können.
Im Moment fühle ich mich total ausgebrannt, erschöpft und ratlos.

Antwort:
Es ist tatsächlich nicht einfach, zwei Kindern in so unterschiedlichen Entwicklungsphasen zeitgleich gerecht zu werden. Das ist enorm anstrengend. Da ist nur verständlich, dass Sie sich erschöpft und ratlos fühlen.
Hier einige Gedanken, die vielleicht helfen, das Verhalten Ihrer Kinder besser zu verstehen und damit umzugehen.

Sie schreiben, dass die Kinder sich gegenseitig in ihrem Spiel stören und es damit boykottieren, dass Sie das Gefühl haben, die beiden mögen sich nicht. Ich glaube, es geht um ganz andere Dinge: Bei einem 15 Monate alten Kind kann man davon ausgehen, dass das „Eingreifen“, das Sie beschreiben, zunächst einfach Neugier ist und der Wunsch, mitmachen zu können. Das ist ganz natürlich und vital. Klar stört es das ältere Kinder, wenn die Jüngeren so sehr agil werden und sie im Spiel zu behindern scheinen. Und es ist verständlich, dass Ihre Tochter sich dann zu wehren versucht.
Vielleicht hilft es ein wenig, wenn Sie vorher und während des Geschehens Ihrer Tochter beschreiben, was gleich passieren wird und was das bedeutet: dass ihr Sohn nämlich jetzt neugierig ist und mitmachen möchte, weil es so toll ist, was sie spielt. Sie können auch mit Ihrer Tochter überlegen, was sie genau ärgert, was sie gerade nicht gut findet und wie Sie beide nun versuchen können, trotzdem weiterzuspielen. Vielleicht, indem sie  den kleinen Bruder austricksen oder ablenken. Manchmal hilft dies beim Spannungsabbau, wenn das ältere Kind das Gefühl hat, die Mutter solidarisiert sich mit ihm.
Es kann durchaus sein, dass Ihre Tochter eifersüchtig wird auf den kleinen Bruder, der jetzt auf einmal mitmischen will. Ihre Tochter setzt sich damit auseinander, das Eigene zu verteidigen. Auch das ist für ein Kind ihres Alters völlig normal. Gestatten Sie es ihr durchaus hin und wieder und hindern Sie ihren Sohn, die Schwester zu stören, indem Sie seine Finger festhalten, ihn wegholen und ihm sagen, die Schwester möchte jetzt alleine spielen. Auch wenn er es über die Worte noch nicht so versteht, ist es ist doch gut, wenn Ihre Tochter dies hört. Sie fühlt sich verstanden und von Ihnen unterstützt.

Und: Kinder mischen sich gerne in Unterhaltungen von Erwachsenen ein. Sie merken, dass die Erwachsenen gut im Kontakt sind und fühlen sich ausgegrenzt, allein, möchten mitmischen und wieder gesehen werden. Versuchen Sie einmal, Ihr Gespräch kurz zu unterbrechen und Ihrer Tochter einen Moment in Ruhe zuzuhören und kurz mit ihr zu sprechen, damit sie es schaffen kann, danach wieder eine Weile zu warten. Wenn sie es dann geschafft hat abzuwarten, auch wenn es nur ganz kurze Zeit war, braucht sie viel Anerkennung und Lob.

Autorin: Edith Thelen

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