Unser Thema:

Weihnachten mit Jugendlichen – ein Fest der Freude und des Friedens?

Nach einer wahren Begebenheit:
Weihnachten ist vorbei und ich bin froh darüber. Und das, nachdem mein Mann und ich uns vorher wochenlang auf schöne gemeinsame Stunden mit unseren Kindern gefreut hatten, auf gemütliches Essen bei Kerzenlicht und Entspannung. Was ist passiert:

Unsere Kinder sind 14 (Mädchen) und 16 Jahre (Junge) alt. Normalerweise feierten wir bisher Weihnachten so: Heilig Abend geht es erst in die Kirche, danach gibt es Bescherung und dann essen wir stets ein gutes Essen miteinander. In diesem Jahr weigerten die beiden sich, mit in die Kirche zu gehen, wollten am liebsten nachmittags schon ihre Geschenke haben. Wir Eltern bestanden aber darauf, dass zumindest wir erst in die Kirche gehen konnten. Als wir zurückkamen, ging die Bescherung dann los und schon fing unser Sohn an, über seine Geschenke zu meckern. Er hatte sich ein bestimmtes Spiel für den Computer gewünscht, das er nicht bekommen hatte. All die anderen schönen Dinge, die wir mit viel Liebe ausgesucht und eingepackt hatten, legte er sofort wieder beiseite und nörgelte nur rum, dass dieses Spiel fehle. Mit unserer Tochter bekam er sich in die Wolle, die beiden zankten sich darum, wer nun welche Arbeit beim Essen-Zubereiten übernehmen solle - am liebsten wollten beide in ihren Zimmern verschwinden. So ging es bis zum Essen laut her. Beim Essen dann saßen alle mit langen Gesichtern muffig am Tisch und unsere Kinder verschwanden danach kommentarlos in ihren Zimmern. Mein Mann und ich waren völlig entnervt.
Der 1. Weihnachtstag, der traditionell der Besuchstag bei den Großeltern und damit auch Treffpunkt der Familie ist, setzte sich dann entsprechend fort: die Kinder hatten nur schlechte Laune, meckerten über alles und hatten zu nichts Lust. So konnte auch an diesem Tag keine „schöne“ Stimmung aufkommen. Jetzt sind wir total geschafft und überlegen, ob wir Weihnachten im nächsten Jahr direkt ausfallen lassen sollen!

Das, was diese Eltern beschreiben, kennen viele Eltern, wenn die Kinder älter werden. Jugendliche haben sehr eigene Vorstellungen davon, was sie mögen und was nicht, wie viel Familie sie gut finden und wie sie Feiertage verbringen wollen und auch nicht. Langjährige Traditionen werden auf einmal in Frage gestellt, oft nur noch als lästig angesehen. Die Jugendlichen geben den Eltern das Gefühl, ihnen nichts recht machen zu können. Je mehr die Eltern versuchen, um Anerkennung der Kinder zu werben für das, was sie für sie tun, umso mehr setzen sich die Kinder zur Wehr. Zugleich haben auch die Jugendlichen selbst oft das Gefühl, mit ihren Bedürfnissen gar nicht wahrgenommen zu werden, nicht verstanden zu werden mit ihren Ideen und Vorstellungen. Aus dieser Unzufriedenheit heraus können sie sich dann oft über tatsächlich gar nichts mehr freuen. Ein kleiner Anlass genügt und schon ist der schönste Streit da.

Die Eltern aus unserer Geschichte beschreiben: Sie haben sich auf gemeinsame Stunden mit den Kindern gefreut. Da entsteht die Frage: Wussten ihre Kinder, worauf Sie sich freuten und was den Eltern wichtig war? Und haben Sie ihre Kinder gefragt, welche Erwartungen sie an Weihnachten haben?

Wenn Kinder zu Jugendlichen werden, ist es wichtig, sich frühzeitig und vor allem im Vorfeld mit ihnen zusammen zu setzen und zu überlegen, wie denn Feiertage wie Weihnachten und Ostern oder auch traditionelle Familientreffen so gestaltet werden können, dass die verschiedenen Bedürfnisse berücksichtigt werden. Gewohnheiten können und müssen verändert werden, wenn die Kinder größer werden und an die neuen Situationen angepasst werden. Es sollte überlegt werden, über was man diskutieren kann, um Kompromisse zu finden - in diesem Fall z.B. die Frage, ob die Kinder mit in die Kirche müssen- und was nicht zur Debatte steht – beispielsweise, dass die Eltern selbst darauf bestanden, vor der Bescherung in den Gottesdienst zu gehen. Man kann drüber nachdenken, wie viel Zeit gemeinsam verbracht wird, was man gemeinsam vorbereitet und wann man den eigenen Bedürfnissen nachgehen kann. Vielleicht ist dann ein Verwandtenbesuch für die Kinder keine Pflichtveranstaltung mehr. Oder aber man legt fest, wie lange die Kinder dies aushalten können und müssen, und wann sie „sich verdrücken“ können.

Alle Familienmitglieder sollten beim Aushandeln der Abläufe die Möglichkeit haben, ihre eigenen Vorstellungen klar zu benennen und auch die Wünsche an die anderen Familienmitglieder klar zu definiere, sowie die Ideen der anderen zu hören. Nur so kann man zu guten – teilweise neuen, teilweise aber auch alten und liebgewonnenen – Lösungen kommen.

Autorin: Edith Thelen

Wir freuen uns über Post von Ihnen - sagen Sie uns Ihre Meinung oder mailen Sie uns Ihre Fragen zu unserem Thema des Monats an familienberatung-kerpen(at)caritas-rhein-erft.de