Unser Thema:

Großeltern-Zeit 

Frage einer Mutter:
Wir wohnten lange Zeit in Norddeutschland. Vor gut einem Jahr sind wir mit unseren Kindern, 12 und 15 Jahre alt, in den Erftkreis gezogen. Bisher hatten unsere Kinder kaum Kontakt zu ihren hier lebenden Großeltern (die Eltern meines Mannes), nun sehen wir uns relativ regelmäßig. Und ich bin immer wieder erstaunt, wie die Kinder auf Oma und Opa „fliegen“. Anfangs war mir das ganz recht. Mein Mann und ich sind beide berufstätig und haben oft wenig Zeit. Inzwischen merke ich aber, dass mir der Umgangsstil meiner Schwiegereltern nicht immer so gefällt und wir öfter nicht einer Meinung sind. Sie lassen den Kindern viel zu häufig ihren Willen, verwöhnen sie, stecken ihnen hier und da Geld zu. Gerade das missfällt mir, da wir immer versucht haben, den Kindern klar zu machen, dass man nicht immer alles haben muss, was man haben möchte. Soll ich die Großeltern-Zeit einfach so lassen oder soll ich bremsen, wenn ich das Gefühl habe, die Großeltern verwöhnen die Kinder zu sehr?

Antwort:
"Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad! Motoor-rad, Motoor-rad, meine Oma ist ’ne ganz patente Frau!“ Die Oma hat im Backenzahn ein Radio, ’ne Brille mit Gardinen und sie macht durchgeknallte Sachen wie im Kühlschrank Kuchen backen. In den 20er-Jahren entstand das Lied von der verrückten Oma, mit unzähligen Strophen sangen es die Kinder der 50er- und 60er-Jahre. Die Oma darf alles, es ist egal, wie wunderlich sie ist – sie wird geliebt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. 
Großeltern werden geliebt dafür, dass sie einfach da sind. Sie haben nicht die Verantwortung für die Erziehung der Kinder, können viele Dinge aus der Ruhe, Distanz und der „Verantwortungslosigkeit“ einfach lockerer sehen. Und sie können die Enkelkinder so verwöhnen, wie sie sich das bei den eigenen Kindern nie zugestanden oder getraut hätten. Und das tut den Kindern einfach gut.

Sie schreiben, dass Sie lange in Norddeutschland lebten und wenig Kontakt zu den Großeltern hatten. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Großeltern nun den engen Kontakt sehr genießen. Aber auch Ihre Kinder scheinen froh zu sein, Erwachsene in einer engen verwandtschaftlichen Beziehung zu haben, die nicht unter Zeitdruck stehen, die nicht darauf aus sind, sie zu "erziehen", sondern die einfach nur die Beziehung zueinander genießen. Auf diese Weise haben Kinder und Großeltern etwas davon: Oma und Opa haben Zeit zum Zuhören, finden aber auch Zuhörer, denen sie Geschichten aus einer Welt erzählen können, die die Kinder nie erlebt haben. Sie können den Kindern Dinge beibringen, für die die Eltern keine Zeit haben: Nähen, Basteln, Werken uvm. Umgekehrt können die Kinder den Großeltern zeigen, wie man heutzutage mit Freunden in Kontakt tritt, welche Möglichkeiten das Internet bietet usw. Hinzu kommt, dass die Kinder viel über ihre eigenen Wurzeln erfahren, sie bekommem mit, dass der so perfekt wirkende Papa auch mal ein kleiner Junge war, der vielleicht den einen oder anderen Blödsinn gemacht hat. Was ihn den Kindern gleich viel sympathischer macht und Stoff zum Erzählen und Austauschen von Gefühlen beinhaltet.

Von daher ist es gut, wenn Sie Ihren beiden Kindern die Beziehung zu den Großeltern gönnen können. Wichtig ist nur: sollte es einmal ernsthafte Probleme zwischen Ihnen und Ihren Kindern geben, sollte klar sein, dass die Großeltern sich aus Ihrer Auseinandersetzung raushalten, also nicht Partei ergreifen gegen Sie als Eltern. Eine gute Unterstützung könnten die Großeltern dann eher sein, wenn sie als Vermittler zwischen Eltern und Kindern auftreten, sich also in Ruhe die Position beider Seiten anhören und "übersetzen", was sie vom anderen verstanden haben. Das können Kinder dann oft von den Großeltern leichter annehmen, als von den Eltern.
Ansonsten können Regeln bei Eltern und Großeltern durchaus unterschiedlich sein. Kinder lernen schon sehr früh, dass es Unterschiede gibt.

Autorin: Edith Thelen

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