Angebote für Familien mit Migrationshintergrund

In zahlreichen Familienzentren der Stadt Kerpen bietet unsere Mitarbeiterin Dr. Fatma Ibrahim-Logemann eine spezielle Beratung für Familien mit Migrationshintergrund an. Darüber hinaus unterstützt sie zahlreiche Arbeitskreise und ist in vielen Netzwerken präsent. Frau Logemann wird am 1. Mai diesen Jahres in den Ruhestand gehen. Sie hat einen kurzen Bericht über ihre spannenden Tätigkeiten für Familien mit Migrationshintergrund für Sie zusammengefasst:

In den Jahren 2010 – 2018 habe ich mit 12 verschiedenen Einrichtungen der Stadt Kerpen zusammen gearbeitet, darunter Familienzentren und Grundschulen. 2-3 Mal im Jahr nahm ich in den Stadtteilen Brüggen und Türnich an dem AK Sprachförderung mit Vertreter*innen von beiden Grundschulen, der OGS und des Jugendzentrums unter der Leitung von Frau Jerg vom Jugendamt Kerpen teil.

Rückschau zu meiner Arbeit in den Familienzentren:

Viele Mütter haben mehrere Kinder in unterschiedlichen Einrichtungen. Sie haben sehr wenig Zeit, überhaupt mit Menschen zu sprechen. Viele sind überfordert mit der Situation, in der sie sich befinden. Sie wissen nicht, wie sie sich helfen, wie sie ihre Probleme lösen können. Deshalb nutzte ich auch die kurzen Begegnungen mit Müttern, um ihre Probleme anzuhören und ihnen zu helfen.

In verschiedenen Einrichtungen wird ein Elterntreff oder Eltern-Café angeboten. Oft waren die Familien erst sehr skeptisch, wenn ich sie zu diesen Treffen persönlich eingeladen habe. Es war nicht immer leicht, diese Eltern zu gewinnen und mit ihnen bei einem Elterntreffen intensiver ins Gespräch zu kommen. Dann jedoch waren insbesondere die Mütter sehr froh, eine Ansprechpartnerin vis-a-vis zu erleben zu können.

Teilnehmer*innen waren türkische, kurdische, jesidische, palästinensische Frauen und Frauen aus Serbien, Griechenland, Pakistan, Kosovo, Syrien, Afghanistan, China, Kroatien, Albanien, aus dem Iran oder aus afrikanischen Ländern z.B. Kongo, Äthiopien oder Nigeria. Es handelte sich um Familien mit Migrationshintergrund, von denen auch einige Geflüchtete waren.

Am Anfang waren viele Frauen und auch ein paar Männer dabei. Im weiteren Verlauf blieben die Männer eher außen vor. Es kann damit zusammen hängen, dass aus der Tradition heraus sie sich nicht als Gruppe in einem Raum zusammen mit Männern und Frauen aufhalten dürfen. Ähnlich kennen wir das in der Moschee.

Manche Flüchtlinge hatten viele Probleme, aber konnten leider nur sehr wenig deutsch. Mit der Zeit haben sie Deutsch gelernt. Ich habe immer wieder die Wichtigkeit betont, die deutsche Sprache zu erlernen. Vielen Müttern habe ich einen Deutschkurs für sich selbst sehr nahe gelegt. Dabei galt ich ihnen stets als Vorbild.

Zunächst habe ich mit den Eltern türkisch oder englisch gesprochen, später deutsch. Ich ermutigte die Eltern aus den verschiedenen Ländern immer, sich sprachlich zu helfen, so dass sich die Scheu verlor und sie begannen, sich gegenseitig, wie es eben ging, verständlich zu machen und zu übersetzen.

Vorträge und Beratungen zu bestimmten Themen wurden mit Kolleg*innen aus unserer Beratungsstelle angeboten, die ich dann auf Türkisch und Englisch übersetzt habe. So war es möglich, die erzieherischen Themen zu besprechen, mit denen die Eltern beschäftigt waren, darunter Themen wie das Setzen von Grenzen, Medien in der Familie, Aufmerksamkeit, Selbstständigkeit, Übergang zur Schule, „Was lernt mein Kind in der Kita?“ und mehr.

Ein wesentlicher Bestandteil war die Information über das deutsche Schulsystem. Damit einher gingen Fragen zum Übergang von der Kita zur Grundschule und zu anderen Bildungsthemen. Zum Teil konnte ich selbst dazu referieren, zum Teil konnte auch auf die Beratungsarbeit unserer Caritas Familienberatungsstelle aufmerksam gemacht werden.

Die Elterntreffen wurden in jeder Einrichtung je nach Möglichkeit und Bedarf anders organisiert.

Im Einzelnen gab es folgende Initiativen:

  • In manchen Kitas wurde und wird für die türkischen Frauen zusammen mit ihren Kindern das Rucksack-Projekt in Türkisch angeboten.
  • Es wurden Eltern-Kind Treffen organisiert, sowie Elternnachmittage und Elternabende zusammen mit der Leitung in einer Einrichtung organisiert.
  • In vielen Familienzentren werden Projekte wie FuN (Familie und Nachbarschaft), PEKIP etc. für die Eltern angeboten.
  • Das Elternfrühstück unter der Leitung einer Erzieherin läuft seit einigen Jahren sehr gut, mit deutschen und ausländischen Eltern, die regelmäßig teilnehmen. Auch der Vorbeter der Moschee in Sindorf hat in Begleitung seiner Frau teilgenommen.
  • Bei den interkulturellen Elterntreffen waren deutsche und ausländische Eltern beteiligt.
  • Es wurde gemeinsam die Kerpener Moschee besichtigt und über verschiedene Traditionen und kulturelle Themen diskutiert.
  • Sprachförderung in Kitas wird als sehr wichtig angesehen. Deshalb war ich stets mit den Leiter*innen darüber im Gespräch, wie die Kinder und Eltern, die der deutschen Sprache noch nicht mächtig waren, gefördert werden können. Dadurch entstanden neue Projekte, wie  z.B. 
    - Vorlesezeiten in Deutsch, Englisch und Türkisch für die Kinder
    - Workshops für interessierte Mütter zum Tandem-Vorlesen.
    Beides wurde sehr gut angenommen und wird in mehreren Kitas nun regelmäßig wiederholt.

Die Arbeit mit und in den Familienzentren hat den beteiligten Familien geholfen, ihre Kinder intensiver in ihrer Entwicklung und Bildung zu unterstützen, parallel dazu konnten auch die sonstige Angeboten der Caritas Familienberatungsstelle Kerpen sichtbarer gemacht. Dadurch haben viele Frauen und Ehepaare den Weg in die Beratungsstelle gefunden und dort Unterstützung erfahren. Diejenigen mit geringen Deutschkenntnissen erhielten dort Gespräche mit Dolmetschern. Ich persönlich habe ins Türkische übersetzt.

Rückschau zur Netzwerkarbeit:

Ich habe unsere Caritas Familienberatungsstelle in verschiedenen Gremien in Kerpen, Bergheim und im Rhein-Erft-Kreis vertreten. Wir haben die Netzwerkarbeit immer als eine Grundvoraussetzung für unsere Arbeit mit Migrant*innen - und Geflüchteten - angesehen. Die Institutionen, die im Raum Kerpen aktive Arbeit in diesem Bereich leisten, haben sich zusammen gefunden, um ihre Arbeit effektiver zu gestalten. Die Netzwerkpartnerschaft traf sich seit Januar 2016 alle zwei Monate, um gezielt verschiedene Schwerpunktthemen zu bearbeiten.

Danach wuchs schrittweise das Interesse und ein Arbeitskreis speziell für die Arbeit mit Geflüchteten, die „AG Gemeinsam für Flüchtlinge“ wurde gegründet, um eine gegenseitige Stärkung und die Pflege persönlicher Kontakte zu fördern. Die verschiedenen Träger bieten die unterschiedlichsten Hilfen wie:

  • Vermittlung von Kleidung
  • Sprachkurse
  • Kontaktangebote
  • Betreuung von Kindern
  • psychologische Begleitung für Flüchtlinge.

Meine Arbeit wird im April zu Ende gehen. Ich habe von vielen meiner Kolleg*innen und in den verschiedenen Einrichtungen oft die Rückmeldung erhalten, dass meine Arbeit erfolgreich und auch nötig war. Ich habe meine Arbeit gerne gemacht und dies ist für mich die beste Belohnung nach so vielen Jahren der Tätigkeit in diesem Bereich.

Ich bedanke mich dafür, beim Caritasverband für den Rhein-Erft-Kreis e.V. die Möglichkeit gehabt zu haben mich einzubringen und danke meinen lieben und geschätzten Kolleginnen und Kollegen und besonders meiner Leiterin Frau Edith Thelen für ihre Zusammenarbeit und Unterstützung.

Dr. Fatma Logemann
Februar 2018