Motopädie

Motopädie

Was ist Motopädie?

Die Motopädie beinhaltet die ganzheitliche Arbeit am Menschen. Motopäd*innen arbeiten mit der Einheit von Körper, Bewegung, Psyche und Umwelt.

Es handelt sich um eine Methode, die sowohl auf bewegungspädagogischer, als auch auf therapeutischer Basis angewandt wird. Durch sensomotorische und psychomotorische Förderung soll das motorische Verhalten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verbessert werden. Zudem unterstützt die Motopädie die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit.

 

Ein Fallbeispiel: Unser Max hat solche Probleme in der Gruppe“

Max (Name geändert), 4;8 Jahre alt, wurde uns von seinen Eltern mit folgenden Problemen vorgestellt: Max habe wenig Kontakt zu den Kindern seiner Kindergartengruppe. Er spiele am liebsten am Tisch oder auf dem Boden und bewege sich sehr ungern. Anderen Kindern gegenüber passe er sich nicht an, er wolle immer „der Bestimmer“ sein. Er zeige oft starke Stimmungsschwankungen, weine schnell und sei leicht irritierbar bei Unruhe, Lautstärke und Menschenmengen. An Bewegung habe er wenig Interesse, vermeide viele Spielplatzaktivitäten (Rutschen, Klettern, Schaukel, etc.) und habe große Angst vorm Fahrrad fahren.

Nach diesem Gespräch schloss sich eine Untersuchung des Kindes an, die die Gesamtentwicklung beurteilte.

Als Max zum ersten Mal zu mir kam, löste er sich kaum von seiner Mutter. Er schaute sich ängstlich die aufgebaute Bewegungslandschaft (u.a. Trampolin, Rutsche, Schaukel) an, zeigte keine Motivation sich zu bewegen, aber erzählte sehr sprachgewandt und ausführlich von Bergsteigern und hohen Bergen.

Daraus entwickelte sich ein Rollenspiel, bei dem er mehr und mehr in Bewegung kam. Hierbei zeigten sich seine ausgeprägten Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme bei gleichzeitiger hypotoner d.h. zu schlaffer Muskelspannung, die ihn daran hindern, vielfältige Bewegungserfahrung zu machen. Aufgrund seiner Gleichgewichtsschwierigkeiten bietet der Boden ihm zunächst die größtmögliche Sicherheit. Verlässt er diese Sicherheit in auch nur geringer Höhe, gerät er in Angst und Anspannung, er verliert buchstäblich sein inneres Gleichgewicht. Er hat Schwierigkeiten, einen fließenden, harmonischen Bewegungsablauf zu erreichen; er wirkt tapsig und schwerfällig.

Da er im Spiel mit anderen Kindern ständig Anforderungen begegnet, die „ihn aus dem Gleichgewicht“ bringen können, ist es für ihn wichtig, die „Kontrolle“ zu bewahren, der „Bestimmer“ zu sein. Dahinter steht der Wunsch, den Schwierigkeitsgrad der Spiele seinen Fähigkeiten entsprechend möglichst gering zu halten.

Was kann man tun?

Durch vielfältige Bewegungsangebote sowie durch selbstgewählte Spielideen soll das Kind lernen, sich selbst besser zu steuern und selbstsicherer zu werden. Die enge Verknüpfung zwischen körperlich-motorischer Unsicherheit und emotionaler Befindlichkeit führt oftmals zu schwierigem Verhalten und Verweigerung motorischer Aktivitäten. Der daraus resultierende Erfahrungsmangel führt zu einem Defizit im Bewegungsrepertoire und somit zu einem Entwicklungsrückstand. Deshalb steht das positive Erleben der eigenen Fähigkeiten in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und dem Material im Vordergrund der motopädischen Therapie. Diese setzt an den Fähigkeiten des Kindes an und nicht an seinen Defiziten oder Symptomen. Sie orientiert sich an der Persönlichkeit, an seinem motorischen Entwicklungsstand und am individuellen Lerntempo des Kindes.

  

Die Besonderheit hier in der Erziehungsberatungsstelle ist, dass Motopädie nicht isoliert angeboten wird, sondern die Therapie eingebettet ist in ein Gesamtberatungskonzept, das die Familie und auch das weitere soziale Umfeld als Ganzes sieht. Die Elterngespräche der Motopädin finden in der Regel gemeinsam mit dem/der für die Familie zuständigen Psychologen/-in, Heil- oder Sozialpädagogen/-in statt. Dies gewährleistet in besonderem Maße die Verknüpfung der Bearbeitung von motorischer und Wahrnehmungsstörung oder Verhaltensstörung mit qualifizierter Elternarbeit. Ziel ist, dass die Eltern akzeptierend und motivierend mit den Grenzen ihres Kindes umgehen und emotionale Blockaden vermieden oder gelöst werden.

Im Fall Max bedeutet dies: zusätzlich zur motopädischen Behandlung Kontakt zu oder Besuch der Kindergartengruppe (Verhaltensbeobachtung des Kindes in der Gruppe), Unterstützung der Eltern bei Max‘ auffälligem Sozialverhalten und lösungsorientierte Beratung.

Eva Krings

 

 

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