Häufig gestellte Fragen

Ich habe Schulden. Was kann ich tun?

Zunächst einmal müssen Sie sich den Fakten stellen: Sie sind mit Ihren Kreditraten im Rückstand. Ihr Geld reicht für laufende Zahlungsverpflichtungen nicht aus. Sie können Ihre Miete nicht mehr zahlen, eventuell wurde Ihnen der Strom gesperrt, weil die Lastenschriften von der Bank nicht mehr eingelöst werden. Wichtig ist jetzt vor allem, dass Sie Ihren Lebensunterhalt sichern. Vielleicht ist es möglich, Ihre Einkommenssituation durch einen Antrag auf Wohngeld oder ergänzende Sozialleistungen nach dem SGB II oder SGB XII zu erhöhen. Oder Sie verringern Ihre Ausgaben, indem Sie unnötige Versicherungen kündigen, Ihre Kreditraten aussetzen, in eine billigere Wohnung umziehen. In jedem Fall: Nehmen Sie Kontakt zu einer Sozialberatungs- oder Schuldnerberatungsstelle auf! Hier finden Sie Ansprechpartner, die Ihnen bei Ihren finanziellen Problemen zur Seite stehen. Sie helfen darüber hinaus in sozialrechtlichen Angelegenheiten, bei Beziehungskonflikten oder Problemen mit Ihrem Arbeitgeber.

Ich komme mit meinem Geld nicht aus

Wenn Sie mehr Geld ausgeben als Ihnen zur Verfügung steht, greifen Sie erst mal zu Stift und Papier. Stellen Sie Ihre monatlichen Einnahmen den Ausgaben gegenüber. Berücksichtigen Sie auch wiederkehrende, viertel-, halb- und jährliche Beträge. Ermitteln Sie, woher Ihre Mehrausgaben stammen. Auf welche Ausgaben können Sie verzichten? Sind Sie überversichert, können Sie eine Vereinsmitgliedschaft aufkündigen? Wie steht es mit dem Verzicht auf Ihren PKW, benötigen Sie ihn wirklich, um beispielsweise zur Arbeit zu gelangen? Ist es denkbar, in eine preiswertere Wohnung umzuziehen? – Nehmen Sie auf alle Fälle Kontakt zu einer in Wohnortnähe gelegenen Sozialberatungs- oder Schuldnerberatungsstelle auf und lassen sich dort qualifiziert und sachkundig beraten.

Ich brauche neuen Hausrat

Prüfen Sie zunächst, was vorrangig angeschafft werden muss. Sparen Sie hierfür Beträge an, kaufen Sie nicht auf Pump! Sehr günstigen Hausrat und Einrichtungsgegenstände können Sie in Second-hand-Läden und Sozialkaufhäusern erwerben. Träger sind vielfach Wohlfahrtsverbände oder gemeinnützige Projekte. Hinweise, wo Sie entsprechende Einrichtungen finden, bekommen Sie bei den Wohlfahrtsverbänden oder Ihrer Allgemeinen Sozialberatungsstelle.

Ich bin mit der Miete im Rückstand

Setzen Sie sich umgehend mit Ihrem Vermieter in Verbindung und klären, ob Sie Ihren Mietrückstand in Teilbeträgen zurückzahlen können. Wenn Sie mit zwei aufeinander folgenden Mietzahlungen in Verzug geraten sind, kann Ihr Vermieter die Wohnung fristlos kündigen. Gleiches gilt, wenn über einen längeren Zeitraum nur Teilbeträge gezahlt wurden, die insgesamt wieder Rückstände von zwei Monatsmieten ergeben. Nach einer fristlosen Kündigung fordert der Vermieter Sie in der Regel auf, die Wohnung zu räumen. Es drohen Obdachlosigkeit und sozialer Abstieg. Bei Mietrückständen sollten Sie auf alle Fälle rechtzeitig Kontakt zu einer in Wohnortnähe gelegenen Sozialberatungs- oder Schuldnerberatungsstelle aufnehmen.

Ich kann Strom und Gas nicht mehr bezahlen

Wenn Sie Ihre Strom- oder Gasrechnung nicht mehr begleichen können, sollten Sie sich schnellstmöglich mit Ihrem Energieversorgungsunternehmen in Verbindung setzen. Vielleicht ist es möglich, eine Rückzahlungsvereinbarung zu treffen. Sonst kann das Unternehmen Strom oder Gas abstellen. Sie sollten auch Kontakt zu einer in Wohnortnähe gelegenen Sozialberatungs- oder Schuldnerberatungsstelle aufnehmen. Hier finden Sie kompetente Ansprechpartner, die mit Ihnen zusammen ermitteln, ob Sie Ansprüche nach dem SGB II und SGB XII geltend machen können oder Ihnen andere Lösungsmöglichkeiten aufzeigen.

Meine Bank zahlt mir kein Geld mehr aus

Das kann unterschiedliche Gründe haben. Vielleicht haben Sie Ihren Dispositionskredit über-zogen? Oder hat ein Pfändungs- und Überweisungsbeschluss „PfÜB“ dazu geführt, dass Ihr Konto gesperrt wurde? Sprechen Sie mit Ihrer Bank und erfragen die Gründe. Seit 1.1.2012 gibt es auf einem „normalen“ Girokonto keinen Pfändungsschutz mehr. Bei einem sogenannten P-Konto (Pfändungsschutzkonto) ist das Kontoguthaben jedoch unabhängig von der Herkunft der Einnahmen bis zur Höhe eines Grundfreibetrages von derzeit 1045,04 € im laufenden Monat vor Pfändungen geschützt. Dieser Grundfreibetrag kann unter bestimmten Voraussetzungen (z. B. Unterhaltsverpflichtungen) aufgestockt werden. Voraussetzung ist, dass ein bestehendes Girokonto in ein P-Konto umgewandelt worden ist. Dies geschieht auf Antrag des Konteninhabers durch die Bank innerhalb von drei Arbeitstagen. Eine Umwandlung kann nicht erfolgen, wenn es sich um ein Gemeinschaftskonto handelt, bei dem mehrere Personen Inhaber sind. Hier muss zuerst das bisherige Gemeinschaftskonto in Einzelkonten umgewandelt werden. Auch das P-Konto ist aber nicht völlig frei von Problemen. Daher sollten Sie Kontakt zu einer Sozialberatungs- bzw. Schuldnerberatungsstelle aufnehmen.

Was wird mir von meinem Einkommen gepfändet?

Das hängt von der Höhe Ihres Nettolohns und eventuellen Unterhaltsverpflichtungen ab. Durch eine Zwangsvollstreckung können Gläubiger Zugriff auf Lohn oder Gehalt sowie Sozialleistungen, Ihr Bankguthaben oder Kontogutschriften nehmen. Dabei gelten die Vorschriften der Zivilprozessordnung (ZPO). Dem § 850 c der ZPO können Sie entnehmen, welcher Einkommensanteil monatlich einbehalten und an Ihre Gläubiger abgeführt wird. Auch “normale“ Girokonten sind voll und ganz der Pfändung unterworfen. Hier kann man durch die Einrichtung eines sog. P-Kontos (für das besondere Pfändungsvorschriften beste-hen) das Kontoguthaben - gleichgültig woher die Eingänge herkommen – innerhalb bestimmter Grenzen vor Pfändung schützen. Der (unter bestimmten Voraussetzungen aufstockbare) Grundfreibetrag beträgt bei einem P-Konto nach derzeitigem Stand 1045,04 €. Probleme können sich bei der Übertragung sog. Ansparleistungen auf nachfolgende Monate ergeben. Auch hier lassen Sie sich bitte von einer Sozialberatungs- bzw. Schuldnerberatungsstelle beraten.

Was ist Verbraucherinsolvenz?

Als Insolvenz bezeichnet man die Tatsache, dass jemand Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen kann. Wenn Sie als Privatperson insolvent, also überschuldet sind, so können Sie Verbraucherinsolvenz anmelden und eine Restschuldbefreiung beantragen. Das bedeutet, dass Ihnen ein Teil Ihrer Schulden erlassen wird. Bevor Sie diesen Antrag beim zuständigen Insolvenzgericht Ihres Wohnortes stellen, müssen Sie sich aber beraten lassen. Kompetente Ansprechpartner finden Sie bei einer Schuldnerberatungsstelle. Die Dauer des Restschuldbefreiungs-Verfahrens beträgt 6 Jahre, an deren Ende die Restschuldbefreiung steht, d.h. Sie brauchen nach der vom Gericht erteilten Restschuldbefreiung keine Schulden mehr zu bezahlen, auch wenn der Gläubiger noch nicht (vollständig) befriedigt ist. Aber Vorsicht: einerseits kann bei Vorliegen bestimmter Tatbestände die Restschuldbefreiung versagt werden, andererseits gibt es Forderungen, die von der Restschuldbefreiung ausgenommen sind (z. B. Geldstrafen) und daher trotz Restschuldbefreiung weiterbezahlt werden müssen. Mit der jüngsten Reform, die im Wesentlichen am 1.7.2014 in Kraft tritt, verkürzt sich das Restschuldbefreiungs-Verfahren auf 5 Jahre, falls die Verfahrenskosten gedeckt sind. Werden zusätzlich noch 35 % der angemeldeten Gläubigerforderungen befriedigt, verkürzt sich die Dauer des Restschuldbefreiungsverfahrens auf 3 Jahre. Bisher konnten sich sog. Abtretungsgläubiger (meist Banken) für einen Zeitraum von zwei Jahren vorab befriedigen lasen. Dieses Privileg entfällt zum 1.7.2014. Die Gründe, die zu einer Versagung der Restschuldbefreiung führen können (§ 290 Abs. 1 InsO) werden durch die Reform erweitert und verschärft. Zusätzlich wird der Katalog derjenigen Forderungen, die von der Restschuldbefreiung ausgenommen sind, also trotz Restschuldbefreiung weitergezahlt werden müssen, erweitert. An die Stelle des bisherigen Treuhänders tritt ab dem 1.7.2014 ein Insolvenzverwalter - mit der Folge von 200 € höherer Verfahrenskosten. Der Insolvenzverwalter wird vom Gericht bestimmt und verwaltet für die Dauer des Verfahrens Ihr Vermögen. Vermögenswerte und über der Pfändungsfreigrenze liegende Einkommensanteile werden für die Befriedigung der Gläubiger eingesetzt. Mit anderen Worten, jeder Euro, den Sie aus Sicht des Insolvenzverwalters entbehren können, wird für die Abzahlung Ihrer Schulden verwendet. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, erfolgt nach sechs Jahren (bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzung schon früher) die Restschuldbefreiung.