Modellprojekt "Familien brauchen Väter"

Stärkung väterlicher Kompetenz im Kontext von Schwangerschaft und Elternschaft
von Christa Pesch und Benedikt Kisters
1. "Sag mir, wo die Väter sind?"
Das Phänomen der abwesenden Väter
2. "Ich bin doch auch wichtig!"
Der werdende Vater als Subjekt in der Schwangerschaftsberatung
3.Der Rahmen des Modellprojektes
- Personalumfang und Zeitrahmen
- Ziele
- Evaluation
- Evaluationsinstrumente
- Projektbegleitung
4. Väter auf der Suche - Väter im Gespräch
Angebote für werdende und junge Väter
- Einzelberatung
- Paarberatung
- Vätertelefon
- Gruppenangebote
5. "Du brauchst auch deinen Kopf, wenn das Herz pocht und der Bauch kribbelt!"
Sexualpädagogische Jungenarbeit zur Förderung personal-verantworteter Sexualität
6. "Synergieeffekte nutzen"
Kooperation und Vernetzung
7. "Kinderkriegen ist auch Männersache"
Bewusstseinsbildung
8. "Allparteilich zu sein, gelingt uns besser!"
Erstes Resümee
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1. "Sag mir, wo die Väter sind?"
Das Phänomen der "abwesenden Väter"
In der Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatung sind werdende Väter eher selten anzutreffen.
Durchschnittlich 25 % der Männer begleiten die schwangere Partnerin, ohne bewusst oder eher selten ihre eigenen Fragen und Konflikte zu artikulieren. Wenn sie der Schwangerschaft nicht ganz ablehnend gegenüber stehen, verhalten sie sich in der Beratung meist indifferent.
Gründe hierfür liegen z. T. in dem frauenspezifischen Verständnis von Schwangerschaft und Geburt. Schwangerschaftskonflikte werden oft individualisiert und mit Blick auf die Frau wahrgenommen. Männer werden meist vorrangig in ihrer Verantwortung angesprochen und weniger hinsichtlich ihrer eigenen Fragen, Nöte und Konflikte.
Schwanger schafft Veränderung
Schwangerschaft verändert das gesamte Beziehungssystem.
Es erfordert Umstellungen und Neuorientierungen in den Beziehungen, in beruflichen Entscheidungen bis hin zu ökonomischen Gegebenheiten.
Obwohl die Veränderung und Neuorientierung insbesondere für die Frau selbst gilt, betrifft sie in unterschiedlichem Maße alle Mitglieder eines Familiensystems, besonders den Partner, zumal das Rollenverständnis von Frau und Mann im Hinblick auf generatives Verhalten einem tiefgreifenden Wandel unterliegt.
Schwangerschaftsberatung aus systemischer Sicht - wie sie vorwiegend in den Beratungsstellen esperanza durchgeführt wird - ermöglicht, den werdenden Vater als Subjekt in der Beratung bewusster wahrzunehmen, ihn zu sehen mit seinen eigenen Nöten, Konflikten und Bedürfnissen in Bezug auf die Schwangerschaft und zu verstehen, dass hinter den Nöten und Konflikten in der Regel ein Potential von Ressourcen zu vermuten ist, das unmittelbar zur Sprache kommen soll.
Das Bemühen der Beraterinnen, den werdenden Vater immer mit in den Beratungsprozess einzubeziehen, auch wenn er physisch nicht anwesend ist, kann den Frauen helfen, ihre Perspektiven zu erweitern und Ressourcen des Partners zu erkennen; dennoch bleibt die Bewältigung von anstehenden Problemen oft "Sache" der schwangeren Frau allein.
In der Vergangenheit gelang es auch nicht, über diesen Weg mehr Männer für das Beratungsangebot zu gewinnen.
Väterberatung ist Männersache
Solange Schwangerschaftsberatung eine Domäne von Beraterinnen ist, werden Männer nicht davon ausgehen, in "eigener Sache" gehört zu werden.
Diese Erkenntnis trifft zusammen mit dem Phänomen, dass immer mehr Väter ihre Vaterschaft aktiv leben wollen. Aber sie wissen oft nicht, wie es gehen soll, weil ihnen einerseits Vorbilder fehlen und sie ihre Rollen selber finden müssen, andererseits aber auch die Erwerbstätigkeit des Mannes oberste Priorität in unserer Gesellschaft hat. Ein Beispiel hierfür ist die Elternzeit; sie wird bis heute lediglich von ca. 2 % der Väter wahrgenommen. Die soziale Ungleichheit, die sich in der Wahrnehmung der Elternverantwortung vorwiegend bei Frauen und in der Priorisierung der Erwerbstätigkeit bei Männern zeigt, spiegelt sich also in der Beratung wider.
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2. "Ich bin doch auch wichtig!"
Der werdende Vater als Subjekt in der Schwangerschaftsberatung
Auf diesem Hintergrund wurde unter Beteiligung von Experten der Väterberatung und eines Vaters in Elternzeit eine Konzeption für ein Modellprojekt entwickelt, das gezielt werdende Väter anspricht, und zwar durch Berater.
Berater werden als Gesprächspartner für Männer in Schwangerschaftsberatungsstellen dafür werben, dass Männer ein Beratungsangebot annehmen, das darauf zielt, ihnen einen Raum zu schaffen, in dem sie ihre Erlebnisweise von Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft und die damit verbundenen mögliche Fragen, Ambivalenzen und Konflikte thematisieren können.
Berater ermöglichen den werdenden Vätern, ihre eigenen Entwicklungsaufgaben im Kontext der bestehenden Schwangerschaft zu erkennen und ihre Vorstellungen von Vaterschaft sowie Kompetenzen von Väterlichkeit entwickeln zu können.
Ziel ist es, werdende Väter zu begleiten und zu ermutigen, ihre persönlichen Chancen zu nutzen, um zu einer größeren Teilhabe am Leben mit ihren Kindern zu gelangen. Dadurch können sie erleben, dass sie in der Beziehung zu ihrem Kind / ihren Kindern neue Facetten in ihrer Männlichkeit entdecken.
Der Titel des Modellprojektes will sagen:
"Familien brauchen Väter"
- Familien werden durch die Stärkung väterlicher Kompetenz als Ganzes unterstützt.
- Ein Gleichgewicht zwischen Frauen und Männern als Eltern und Erwerbstätige wird angestrebt.
- Die Übernahme und Ausgestaltung von gemeinsamer Elternverantwortung wird gestärkt.
- Der Umgang mit den veränderten Rollen und Aufgaben wird den Partnern durch die Stärkung der Kommunikations- und Kooperationskompetenz erleichtert.
Da gerade die Phase des Übergangs zur Elternschaft von vielen Paaren krisenhaft erlebt wird, besteht das Beratungsangebot bereits während der Schwangerschaft. So kann der werdende Vater erfahren, dass er von Anfang an wichtig ist.
Neben der Bewältigung von bestehenden Ambivalenzen gegenüber der Schwangerschaft, der Bearbeitung von Beziehungskrisen und Konflikten hat die Schwangerschaftsberatung einen hohen präventiven Charakter, wenn sie in dieser Phase die werdenden Eltern in ihrer Elternverantwortung und -kompetenz stärken kann. Paare, die Gedanken über ihre Motive und ihr Lebenskonzept austauschen, erleben Schwangerschaft und Geburt intensiver als etwas Gemeinsames und können leichter den Übergang zur Elternschaft bewältigen.
Für den werdenden Vater ist es also genau so wichtig, sich mit seinen Fragen zur künftigen Gestaltung seiner Vater-Kind-Beziehung auseinander setzen zu können, insbesondere dann, wenn es während der Schwangerschaft zu einer Trennung von der Partnerin gekommen ist.
Zwei Beispiele (Alle Praxisbeispiele sind verfremdet):
Ein junger Mann, Herr A. (Anfang 30) kommt in die Beratung. Er hat die Information der Väterberatung übers Internet (!) bekommen. Er wird Vater. Er ist stolz darauf. Doch die Kindesmutter hat sich im 5. Schwangerschaftsmonat von ihm getrennt. Die gemeinsame Wohnung war ausgesucht, der Mietvertrag unterschrieben, die Küche bestellt. Herr A. ist völlig konsterniert, „fällt aus allen Wolken“. In der Beratung kann er sich erstmal „Luft“ machen. Er fühlt sich ohnmächtig, wütend, hilflos. Er, der Macher, der offenbar seinen Job im mittleren Management gut geregelt bekommt! Das ist der Einstieg.
Wie kann es weitergehen? Was ist sein Anliegen? Herr A. möchte gerne Kontakt zu seinem Kind halten und fragt sich, wie er eine Beziehung zu seinem Kind aufbauen und gestalten kann. Im Gespräch wird deutlich, dass der Weg zum Kind nur über den Kontakt zur Kindesmutter führt.
Was ist mit der Kindesmutter? Was geht wohl in ihr vor? Zur Zeit ist „Funkstille“. Herr A. muß phantasieren, den Rollenwechsel vornehmen. Er sammelt folgende Aspekte:
- Mit einem gemeinsamen Kind wird die Paarbeziehung verbindlicher, die Rollen festgelegter. Hat sie Angst vor Bevormundung durch ihn. Denn das war ein „wunder Punkt“ in ihrer Beziehung, dass er oft glaubte, vieles besser zu können und zu wissen.
- Hat die Kindesmutter neues Selbstbewußtsein in ihrer Rolle als werdende Mutter gefunden? Zuvor hatte sie mehrere Ausbildungen begonnen und nicht zu Ende geführt
Jetzt hat sie einen neuen Status.
- Wiederholt sich ihre Geschichte, da sie als Kind keinen Kontakt zu ihrem Vater hatte? Gilt ein Teil der Ablehnung des Kindesvaters eigentlich ihrem leiblichen Vater?
Klar ist, dass das alles Vermutungen sind, Hypothesen.
Doch indem Herr A. versucht, den Standpunkt der Kindesmutter einzunehmen, schafft er es, einen großen Teil seiner Wut gegen sie abzubauen. Er wird versöhnlicher und sieht auch seinen Anteil an der Situation. Er kann wieder mehr die Freude darüber empfinden, daß er Vater wird, wenn auch anders als erwartet. Und er sieht, daß er aktiv dazu beitragen kann, daß sich sein Kontakt zur Kindesmutter verbessert. Noch während der Schwangerschaft schickt er ihr eine Karte, auf der er schreibt, dass er an sie denkt und ihr alles Gute für die Geburt wünscht.
Das Kind kommt gesund auf die Welt. Herr A. freut sich, dass alles gut gegangen ist, dass die Kindesmutter ihr gemeinsames Baby gut auf die Welt gebracht hat. Er sieht, was sie leistet, daß sie es liebevoll versorgt. Über den gegenseitigen Respekt kommt es wieder zur Annäherung. Auch sie registriert, dass er ein ehrliches Interesse hat, seine Vaterschaft zu leben und sich Mühe gibt, sie als Kindesmutter nicht zu bedrängen oder zu bevormunden. Beide geben eine gemeinsame Geburtsanzeige auf. Mittlerweile haben sie beide Wohnungen im gleichen Viertel. Herr A. sieht seine Tochter 2-3mal die Woche. Er wird zunehmend gelassener, weil er merkt, dass er an der Kindererziehung beteiligt ist und seine Vaterschaft leben kann, auch wenn sie als Paar getrennt sind.
Herr B. ist Anfang 40, wird zum ersten Mal Vater. Er wirkt sehr reflektiert und nachdenklich. Er freut sich sehr auf seinen kleinen Jungen, ist aber gleichzeitig stark irritiert und ambivalent, ob er seinem Kind überhaupt ein guter Vater sein kann. Die Frage beschäftigt ihn so, dass er die Beratung aufsucht. Sein Anliegen ist es zu klären, wie er schon von Anfang an eine verantwortungsvolle Vaterschaft leben kann?
Im Gespräch berichtet Herr B., dass er selbst Sohn eines italienischen „Gastarbeiters“ und einer deutschen Mutter ist. Er verlässt seine Familie in Deutschland und kehrt nach Italien zurück, als Herr B. ein Jahr alt war. Herr B. hat keine Erinnerung mehr an ihn, nur noch ein kleines Foto. Ein neuer Partner der Mutter adoptiert ihn. Es kommt zur erneuten Trennung, als Herr B. 8 Jahre alt war.
Als junger Erwachsener hat Herr B. zwei langjährige Beziehungen zu alleinerziehenden Frauen mit jeweils einem kleinen Sohn. Er ist der „soziale Vater“ für die kleinen Jungen, doch fühlt er sich in seiner Rolle oft „leer“, unwohl und überfordert.
In den Gesprächen verändert sich sein ursprüngliches Anliegen. Jetzt entsteht der Wunsch, mehr über seinen eigenen Vater zu erfahren. Wie hat er seine Mutter kennengelernt? Was war das für ein Leben damals als „Fremder“ mit ihr in Deutschland? Wie hat er sich um seinen Sohn gekümmert, was hat er für ihn empfunden?
In den darauffolgenden Gesprächen sprechen wir über das, was er noch selber über seinen leiblichen Vater weiß, was ihm über ihn erzählt worden ist. Er sucht das Gespräch mit seiner Mutter, die zunächst sehr überrascht ist und letztlich doch auch dankbar wirkt, ihrem erwachsenen Sohn mehr von seinem Vater erzählen zu können. Sie spricht sehr positiv von „ihrem Italiener“.
Herr B. überlegt jetzt, ob er versuchen soll, Kontakt zu seinem Vater aufzunehmen.
Er möchte gerne eine therapeutische Begleitung beginnen, die ihm über die Väterberatung vermittelt wird.
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3. Der Rahmen des Modellprojektes
Das Modellprojekt wird vom Diözesan-Caritasverband und vom Erzbistum Köln finanziert. Anträge auf Zuschüsse sowohl beim Bund als auch beim Land wurden abgelehnt!
Personalumfang und Zeitrahmen
- In vier esperanza Beratungsstellen (Bonn, Köln, Düsseldorf und Dormagen)
- Vier Berater mit jeweils einer 0,5 Personalstelle für drei Jahre
Ziele
Durch das Angebot wird ermöglicht
- dass Männer / werdende Väter Beratung nutzen, weil sie von "Mann zu Mann" sprechen können.
Die Beratung hilft,
- dass Männer ihre Identität als Mann, Vater und Partner reflektieren und sich ihrer bewusst werden.
- dass Männer ihre eigenen Fragen, Nöte und Konflikte bezogen auf Schwangerschaft und Vaterschaft wahrnehmen und bereit sind, diese zu bearbeiten.
- dass Männer Vaterschaft als lustvoll und als Steigerung eigener Lebensqualität erleben.
- dass Männer mehr Wissen über Sexualität, Fruchtbarkeit, Familienplanung, Empfängnisverhütung, Partnerschaft, Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft erwerben und ihre Erfahrungen reflektieren.
- dass Männer und Frauen gemeinsam ihre Kommunikationskompetenz beim Übergang zur Elternschaft verstärkt einsetzen.
Evaluation
Wirkung des Angebotes
- auf die Bewältigung von Nöten, Krisen und Konflikten werdender Väter
- auf die gemeinsame Elternkompetenz, insbesondere auf die väterliche Kompetenz
- auf die partnerschaftliche Verantwortung als Elternpaar
- auf die Kommunikationskompetenz des Paares zur gemeinsamen Klärung der Rollen- und Aufgabenverteilung im Familien- und Erwerbsleben
- auf die Motivation des werdenden Vaters, Elternzeit zu nehmen
- auf die personal-verantwortete Sexualität von Jungen / Männern
Evaluationsinstrumente
- Entwicklung von Ergebniszielen und Maßnahmenplänen sowie deren Auswertung
- Statistische Erhebung der Einzel- und Paarberatung und deren Auswertung
- Nutzerbefragung
- Erhebung und Auswertung von Gruppenaktivitäten
- Erhebung und Auswertung von Kooperation und Vernetzung
- Zwischenauswertung / Endauswertung / Abschlussbericht
Projektbegleitung
- Gruppensupervision der vier Berater
- Teamsupervision in den vier Beratungsstellen mit allen dort Tätigen
- Begleitgruppe auf Diözesanebene mit Experten für Väterarbeit,
- Trägervertretern, Beratern und jeweils einer Beraterin aus jeder Beratungsstelle
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4. Väter auf der Suche - Väter im Gespräch
Angebote für werdende und junge Väter
Es war uns wichtig, die Angebotspalette möglichst breit anzusetzen, damit werdende Väter Spielraum genug haben, sich das auszuwählen, was ihnen am ehesten entspricht.
Von Mann zu Mann
- Einzelberatung
- Beratung für werdende Väter im Schwangerschaftskonflikt als Krisenintervention
- Beratung für werdende Väter in Trennungssituationen
- Beratung zu allen Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft
- Beratung zur Stärkung väterlicher Identität als Stärkung gemeinsamer Elternkompetenz
Im ersten Projektjahr haben 123 werdende und junge Väter Einzelberatung in Anspruch genommen. Mit ihnen wurden 310 persönliche Gespräche geführt. Fast die Hälfte der werdenden Väter suchte Unterstützung bei der Annahme der Vaterschaft; Klärung von rechtlichen Fragen wie Vaterschaftsfeststellung, Sorgerecht bei Nichtehelichkeit, Umgangsrecht und Unterhalt für Mutter und Kind spielte dann eine große Rolle, wenn eine Trennung von der Partnerin während der Schwangerschaft erfolgt ist. Finanzielle Probleme, Wohnungsprobleme und die eigene berufliche Situation (auch Arbeitslosigkeit) waren Themen, die nicht nur der Beratung, sondern auch der Unterstützung bei der Hilfevermittlung bedurften. Die Einzelberatung wurde fast von 50 % der werdenden und jungen Väter genutzt, um Beziehungsstörungen zu bearbeiten; nach einer Trennung von der Partnerin ging es auch um die künftige Gestaltung der Vater-Kind-Beziehung.
Beispiel aus der Einzelberatung
Herr C. ist Mitte 20 und werdender Vater.
In der 16. SSW hat sich die Kindesmutter von ihm getrennt. Er ist geschockt. Die Schwangerschaft war von beiden gewünscht.
Wie kann es jetzt weitergehen? Wie kann er seine Vaterschaft leben? Kann er die Beziehung zur Kindesmutter noch retten? Mit diesen Fragen kommt er in die Beratung.
In den Gesprächen berichtet Herr C. , dass die Beziehung zunächst ganz harmonisch war. Beide sind Studenten und wünschten sich ein gemeinsames Kind. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters sucht und findet er Trost zunächst bei seiner Partnerin. Doch dann häufen sich die Konflikte. Herr C. wird für die Partnerin zu „klammernd“. Außerdem stört es sie immer mehr, daß er mit dem Studium nicht schneller vorankommt. Sein Nebenjob bringt im Augenblick nicht viel Geld ein. Herr C. ist gekränkt, verwirrt, noch verunsicherter. Das bringt die Kindesmutter noch mehr gegen ihn auf. Sie trennt sich im 4. Schwangerschaftsmonat von ihm. Anfänglicher Kontakt wird im Laufe der weiteren Schwangerschaft ganz eingestellt.
Herr C. wendet sich schließlich ans Jugendamt. Dort wird er an die Väterberatung verwiesen.
Regelmäßige Gespräche helfen ihm über seine Gefühle klarer zu werden. Die Idee, Tagebuch zu schreiben, nimmt er gerne auf. Er schreibt es für sich und an sein Baby.
Was glaubt er wohl, was in der Kindesmutter vorgeht? Langes Schweigen. Dann vermutet er, daß die Kindesmutter sich in ihrer Situation gerne einen „starken, im Leben stehenden“ Partner wünscht, der ihr selber Halt gibt und die zukünftige Familie auch finanziell gut absichern kann. Ihm fehlt zur Zeit dieses Gefühl der Stärke. Er kann diesem Wunsch im Augenblick nicht voll gerecht werden. Er vermutet, dass die Kindesmutter selber sehr angespannt ist, da sie das Studium unterbrechen muss und noch nicht weiß, wie für sie das Leben mit Kind weitergeht. Wäre eine Paarberatung möglich? Auf Gesprächsangebote an die Mutter bekommt er keine Reaktion. Gegen Ende der Schwangerschaft nehmen seine Sorgen und seine Unruhe wieder zu. Er schreibt der Kindesmutter nach langem Zögern nochmal einen kurzen Brief. Er wünscht ihr alles Gute für die Geburt. Die kleine Tochter kommt gesund auf die Welt. Die Mutter gibt ihr den gemeinsam ausgewählten Namen. Über ihre Schwester lässt sie Herrn C. ausrichten, dass sie sich über seinen Besuch im Krankenhaus freuen würde. Im Krankenhaus ist Herr C. überwältigt, als er seine kleine Tochter im Arm halten kann. Die Kindesmutter ist enttäuscht, daß er sich so wenig nach ihr erkundigt. Es kommt wieder zu einer Auseinandersetzung. Nach einem weiteren Gespräch in der Väterberatung gelingt es Herrn C. einen gemeinsamen Termin mit der Kindesmutter beim Jugendamt auszumachen, um die Vaterschaft anzuerkennen. Herr C. entschließt sich zudem, mehr Unterstützung für sich über den „Feuerabend“, einen offenen Männer/ Vätertreff, anzunehmen, den die Väterberatung 14tägig anbietet.
Eltern werden und Paare bleiben - "Das hatten wir uns anders vorgestellt"
Paarberatung
- zur Bewältigung eines Schwangerschaftskonfliktes
- zur Bearbeitung von Beziehungsstörungen in der Schwangerschaft
- zur Stärkung der Kommunikation
- zur Unterstützung beim Übergang zur Elternschaft
- zur Förderung der gemeinsamen Elternverantwortung und Elternkompetenz
Beziehungsstörungen, die z. T. durch die Schwangerschaft entstanden und z. T. latent vor der Schwangerschaft vorhanden waren, führten bei 20 Paaren zur Paarberatung. Insgesamt wurden im Berichtszeitraum 58 Paarberatungsgespräche geführt. Gegenstand der Paarberatungen war auch die Gestaltung des Übergangs zur Elternschaft, Fragen zur Sexualität und zur weiteren Familienplanung, aber auch Fragen zur Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben.
Die Paarberatungen wurden überwiegend als Co-Beratungen (Beraterin und Berater) durchgeführt. Gerade dieses Beratungssetting ermöglichte die Schaffung eines Gleichgewichtes in der Ansprache von Mann und Frau. Die Allparteilichkeit für alle Beteiligten ließ sich leichter realisieren, und das Thema "Gemeinsame Elternschaft" zum Wohl des Kindes gewann einen größeren Raum.
Beispiel aus der Paarberatung
Frau B. ist zunächst bei einer Kollegin in Einzelberatung. Sie ist im dritten Monat schwanger. Der Kindesvater ist dem Kind gegenüber sehr ambivalent eingestellt. Zwischenzeitlich hat er sich von ihr getrennt. Zur Zeit haben sie wieder Kontakt zueinander. Die Kollegin macht sie auf die Möglichkeit der Paarberatung bei einem Beraterpaar ( Co-Beratung) in unserer Beratungsstelle aufmerksam.
Beide kommen mit der Fragestellung, welches Beziehungsmodell für sie zukünftig möglich ist, wenn das Kind auf der Welt ist.
Im ersten Gespräch wird deutlich, dass Herr M. bereits zwei erwachsene Kinder aus einer anderen Verbindung hat, die bei der Mutter leben. Er hat zu beiden Söhnen jetzt einen ganz guten Kontakt, nachdem es in den ersten Lebensjahren zur Trennung von der Partnerin gekommen und der Kontakt dann auf mehrere Jahre zu den Kindern wie der Mutter ganz abgebrochen war. Seine neue Vaterschaft löst die alte Angst vor Stress, Bindung und Scheitern aus. Zwischenzeitlich wollte er, dass die Kindesmutter das Kind abtreibt.
Frau B. wird zum ersten Mal Mutter. Sie freut sich auf das Kind und wünscht sich eine intakte Familie. Sie hat sich für das Kind entschieden und ist sehr enttäuscht, dass sich ihr Partner so distanziert.
Nach einer ersten Darstellung, was das Kind für jeden bedeutet, schlage wir ihnen vor, den Konflikt in einem anderen Rahmen aufzugreifen. Sie sollen sich vorstellen, sie hätten einen gemeinsamen Garten. Wie könnten sie mit dem Konflikt in diesem Bild umgehen. Das Paar lässt sich auf diese Übung leicht ein. Wir sammeln die Ergebnisse schriftlich auf Flipchart. Die Übung hilft spielerischer und distanzierter unterschiedliche Möglichkeiten zu entwerfen. Gleichzeitig erleichtert sie, die Vorschläge des Partners zu differenzieren. Welche Option kann der andere nachvollziehen?
Im Laufe der weiteren Gespräche freundet sich Herr M. mehr und mehr damit an, Vater zu werden. Die Angst vor Bindung weicht mehr der Freude auf das heranwachsende Baby. Frau B. lernt zu akzeptieren, dass Herr M. schon eine „erste Geschichte“ als Vater hat, die auch zu ihm gehört, ihn bindet und beeinflusst.
Bei der Sammlung der Optionen für die Elternrolle einigt sich das Paar auf einen gemeinsamen Versuch für mindestens ein Jahr. Er zieht zu ihr in die neue, gerade angemietete Wohnung, die sie z.Zt. umbauen. Seine alte Wohnung vermietet er an einen guten Freund unter.
"Ich hätte nie gedacht, dass ich so viele Fragen habe, die ich loswerden will!"
Vätertelefon
- bietet einen geschützten Raum und Anonymität
- ermöglicht Nähe auf Distanz
- schafft einen ersten Zugang zur Beratung
Das Vätertelefon wird in der esperanza-Beratungsstelle Düsseldorf angeboten.
Von anderen lernen und den eigenen Weg finden
Gruppenangebote
- Als niedrigschwelliges Angebot erleichtern es Männern, sich zu öffnen,
- eigene Fragen und Themen anzusprechen und voneinander zu lernen.
- Das Gespräch und der Austausch mit anderen werdenden und jungen Vätern wecken gegenseitiges Interesse und Solidarität; sie helfen, den eigenen Weg zu finden und die Väteridentität zu stärken.
Entsprechend der örtlichen Situation haben die vier Berater im ersten Projektjahr unterschiedliche Möglichkeiten gesucht, werdende und junge Väter anzusprechen:
"Vater werden - Vater sein "
Offene Angebote z. T. in Kooperation
- Offener Vatertreff "Vater wie geht's?"
- Vater sein und Arbeitslosigkeit
- "Feuerabend" - offener Treff für Männer / Väter am Lagerfeuer
- Geburtsvorbereitung für Paare in Kooperation mit einer Hebamme
- Geburtsvorbereitung für werdende Väter
- Triple P für werdende und junge Väter
- Vater-Kind-Spielgruppe
- Paargruppe für werdende und junge Eltern in Kooperation mit der Ehe-, Familien- und Lebensberatung
Einige Beispiele aus der praktischen Arbeit
"Feuerabend"
Der „Feuerabend“ ist ein offener Treff für Männer/Väter am Lagerfeuer. Er holt die Männer aus „Alltagsmustern“ heraus und führt sie an „Alte Qualitäten“ heran. Feuerstellen stehen für Begegnung, Austausch, Geselligkeit. Man(n) schließt einen Kreis um das Feuer in der Natur und trifft sich gleichwertig ohne Konkurrenzdruck, ein ungewohnter und doch altvertrauter Rahmen. Das Feuer fokussiert, konzentriert, stiftet Wärme und Geschlossenheit. Im Kreisgespräch werden Fragen zu Väterlichkeit, Männlichkeit, Partnerschaft und der Bezug zur eigenen Biografie besprochen. Themen wie:
- Wie bringe ich Job, Familie, Paarbeziehung und eigene Bedürfnisse unter einen Hut?
- Vater sein – anders als man sich das vorgestellt hat!
- Eigene Ohnmacht und Hilflosigkeit angesichts von verhinderter Vaterschaft, Umgangmit Abtreibung.
- Vatersein: wie viel Vater braucht das Kind?
- Wie kann ich Vater sein, wenn ich von Mutter und Kind getrennt lebe?
„Ich habe das Gefühl, eine Anlaufstation, einen Rückhalt zu haben. Da in meinem Bekanntenkreis keine Väter sind, finde ich die Erfahrung in der Runde spannend und ich fühle mich bestätigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin, immer wieder meine eigene Haltung und meine Gedanken zu hinterfragen.“
„Ich werde ruhiger, weil ich durch die Gespräche das wilde Durcheinander der Argumente, Gefühle etc. sortieren konnte und sehen kann, was als Vater wirklich wichtig ist.“
„Mir macht es Mut, zu sehen, dass ich da mit anderen Vätern auf der Suche bin und nicht schon alles klar haben und toll dastehen muss."
Geburtsvorbereitung für Paare
In Kooperation mit einer Hebamme gab insbesondere den werdenden Vätern durch den Väterberater eine eigene Möglichkeit, ihre Fragen, Bedenken und Hoffnungen anlässlich der bevorstehenden Geburt und der ersten Zeit zu dritt (viert...) nachzuspüren und im Gespräch mit anderen werdenden Vätern und dem Berater Klärung zu finden, aber auch Stärkung ihrer eigenen Rolle und Aufgabe als künftiger Vater.
Neben den gemeinsamen Gesprächsrunden der werdenden Eltern, in denen vor allem die Kommunikationskompetenz für den Übergang zur Elternschaft gestärkt werden sollte, hatten die werdenden Väter eigene Runden, um ihre ganz persönlichen Fragen und Befürchtungen in Austausch zu bringen (Was ändert sich für mich / für die Partnerschaft, wenn das Kind da ist? Wovor habe ich Angst, worauf freue ich mich? Was braucht das Kind von mir? Welche Rolle will / kann ich bei der Geburt einnehmen? Wie viel Zeit will ich künftig für mein Kind investieren?...)
Die Resonanz auf diese Väterrunden war sehr positiv. Die begleitende Hebamme war überrascht über die rege Beteiligung der werdenden Väter. Alle Paare bleiben bis zum Kursende dabei.
Triple P für werdende und junge Väter
„Triple P für Väter“ versteht sich als eine Elternschule für werdende Väter, die bereit sind, sich durch eine besondere Vorbereitung mit der Elternschaft auseinander zu setzen und auch nach der Geburt mit dem Berater ihre Erfahrungen mit dem Kind zu reflektieren und Hilfen anzunehmen. Triple P ist ein in Australien entwickeltes, standardisiertes und didaktisch aufbereitetes Programm, dass Eltern mit positiven Erziehungsstrategien vertraut macht. Es besteht aus vier je zweistündigen Gruppensitzungen, in denen es um folgende Inhalte geht:
1. Sitzung Grundlagen positiver Erziehung
2. Sitzung Strategien zur Entwicklung positiven Erziehungsverhaltens
3. Sitzung Umgang mit Problemverhalten
4. Sitzung Verausplanung für Risikosituationen
Darauf folgen vier verschiedene telefonische Sitzungen von ca. 20-30 Minuten, in denen es darum geht, das Erlernte in der eigenen Familie anzuwenden und auf die Bedingungen vor Ort anzupassen.
Ein Vater mit einem sechs Monate alten Säugling äußert sich in der Gruppe über die Wichtigkeit dieser Elternschule:
„Wir werden Eltern und alle meinen, dann müsste man automatisch wissen, wie man sein Kind richtig erzieht. Sicher habe ich da so meine Vorstellungen von. Aber sich hier, so im Vorfeld der Probleme mit dem zu beschäftigen, was da auf uns zukommt, das finde ich so was von wichtig.... Eigentlich sollte so ein Kurs Pflicht für alle Eltern sein.“ Zustimmung der anderen: „Genau, und wer keinen Kurs besucht, bekommt weniger Kindergeld, weil er keine so qualifizierte Erziehung bietet, wie die, die sich damit auseinandergesetzt haben.“
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5. "Du brauchst auch deinen Kopf, wenn das Herz pocht und der Bauch kribbelt!"
Sexualpädagogische Jungenarbeit zur Förderung personal-verantworteter Sexualität
Angesichts steigender Zahlen minderjähriger Schwangerer ist die sexualpädagogische Arbeit in Schulen und Jugendgruppen von besonderer Bedeutung. Schüler und Schülerinnen brauchen Gelegenheit, sich mit Fragen ihres Lebenskonzeptes auseinander zu setzen, dazu gehören auch Vater- und Mutterschaft und die damit verbundene Verantwortung. Dies aus der jeweiligen Sichtweise einer Beraterin und eines Beraters zu ermöglichen, ist für die sexuelle Identitätsentwicklung von besonderer Bedeutung.
Anliegen sexualpädagogischer Arbeit als Beraterpaar
- Identifikationsobjekt anbieten
- geschlechtsspezifische Fragen und Bedürfnisse in getrennten Gruppen bearbeiten
- Geschlechtsidentität und Selbstvertrauen stärken
- Kommunikations- und Beziehungskompetenz stärken
Den Jungen durch einen Berater und den Mädchen durch eine Beraterin eine Identifikation zu ermöglichen, schafft Raum für geschlechtsspezifischen Themen, Fragen und Bedürfnisse. Die Geschlechtsidentität und das Selbstvertrauen erfahren darin eine Stärkung.
Die geschlechtshomogene Gruppenarbeit erleichtert die Kommunikation und stärkt beide Geschlechter in der abschließenden gemeinsamen Gesprächssequenz, offener miteinander zu kommunizieren. Das Aufeinanderzugehen von Jungen und Mädchen nach der Klärung der eigenen Fragen fördert die Beziehungskompetenz.
Beispiel aus der sexualpädagogischen Arbeit
Im letzten Jahr gingen in Köln 35 Anfragen von Schulen aller Art bei esperanza ein. In der Regel kommen die SchülerInnen zu uns in die Beratungsstelle. Durchweg ist die Resonanz der SchülerInnen und LehrerInnen auf die Veranstaltungen positiv. Gerne wird die Gelegenheit genutzt, mit jemand von „außen“ offen über ihre Fragen sprechen zu können. Ausdrücklich begrüßt wird die Mitarbeit eines Mannes, da vielfach an den Schulen bis zur Klasse 9 die Zahl der Lehrerinnen überrepräsentiert ist. Gerade in den Fragen zu Freundschaft, Liebe und Sexualität ist es für die Heranwachsenden wichtig, einen männlichen Ansprechpartner zu finden. Die Neugier der Jungen auf alles, was mit „Sex“ zu tun hat, dringt ihnen quasi aus allen Poren. Die Beantwortung der Vielzahl anonym gestellter Fragen macht einerseits den großen Bedarf nach Klärung deutlich und andererseits, dass das vorhandene Wissen bei den Jungen oft vordergründig, ungenau oder falsch ist. Es gibt zwar viele Möglichkeiten an Informationen zu kommen (Internet, Magazine, TV etc.), doch oft fehlt der direkte Ansprechpartner, mit dem man im Gespräch Themen offen besprechen und Einstellungen klären kann. Überwiegen häufig zunächst die "technischen" Fragen, kommt es im Verlauf des Gesprächs oder der Übungen mehr zu inhaltlichen Aspekten, die hinführen können zur besseren Selbstwahrnehmung, Stärkung des Selbstvertrauens und der Beziehungskompetenz sowie des Umgangs mit Zuneigung und Grenzsetzung.
Erscheinen die Jungen in der Gruppe mit den Mädchen häufig noch cool oder uninteressiert, tauen sie im Gespräch untereinander meist zunehmend auf. Hier wird deutlich, dass sie oft noch viel kindlicher als die gleichaltrigen Mädchen eingestellt sind. Sie sind interessiert am spielerischen Lernen. Die Verbindung von sexueller Lust und Zeugungsfähigkeit ist ihnen oft noch wenig präsent. So geht es in den Veranstaltungen mit unterschiedlichen Übungen, Methoden und Spielen darum, miteinander ins Gespräch zu kommen, Informationen zu vermitteln, Einstellungen zu hinterfragen, Selbstvertrauen zu stärken und Sprachlosigkeit zu überwinden.
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6. "Synergieeffekte nutzen"
Kooperation und Vernetzung
Eine wichtige Aufgabe der Väterberatung ist die Kooperation und Vernetzung mit anderen Diensten, zum einen, um vorhandene Ressourcen zu nutzen und zum anderen die Väterarbeit mit anderen Angeboten zu verknüpfen (z. B. Geburtsvorbereitung, Paargruppen).
Das Väterprojekt hat durch seine Arbeit auf die Bedeutung solcher Angebote aufmerksam gemacht, so dass zum Teil Bildungseinrichtungen verstärkt Väterthemen aufgegriffen haben.
Zur Vernetzung gehört z. B. auch, an einer Sensibilisierung für Väterthemen mitzuwirken. Dies gilt für alle sozialen Dienste, für Bildungsangebote und für Beratungsstellen. Die Vernetzung und Kooperation bezog sich hauptsächlich auf:
- Kliniken mit geburtshilflicher Abteilung und Hebammen zur Gestaltung eines Abends mit den werdenden Vätern und Müttern zum Thema "Übergang zur Elternschaft"
- Familienbildungsstätten / Familienforen zur Mitwirkung bei der Durchführung von Vätergruppen / Väter-Kind-Gruppen
- Väterinitiativen zur Kontaktpflege und zum Erfahrungsaustausch
- Männerseelsorge im Erzbistum Köln zur Bekanntmachung der Väterberatung, zur Kontaktpflege und Durchführung gemeinsamer Maßnahmen
- Schulen zur Durchführung von geschlechtsspezifischer Jungenarbeit
- Erziehungsberatung, Ehe-, Familien- und Lebensberatung zur fallbezogenen Kooperation z. B. Weitervermittlung von Paaren zur Paarberatung, zur Kooperation gemeinsamer Gruppenangebote z. B. "Eltern werden - Paare bleiben"
- Jugendamt zur Vermittlung zur Väterberatung von werdenden Vätern in Trennungssituationen
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7. "Kinder kriegen ist auch Männersache!"
Bewusstseinsbildung
Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, insbesondere in der Arbeits- und Berufswelt, sind noch nicht so gestaltet, dass viele Väter aktiver ihre Vaterschaft leben können.
Die Berater haben durch verschiedene Veranstaltungen dazu angeregt, über die "neue Väterlichkeit" nachzudenken, um eine Bewusstseinsveränderung zu fördern.
Väter in ihrer väterlichen Kompetenz anzusprechen, bedeutet, an einem Bewusstsein mitzuwirken,
- dass Kinder sowohl Vater und Mutter brauchen
- dass beide Elternteile ihre je eigene Kompetenz für die Gestaltung ihrer Eltern-Kind-Beziehung einsetzen sollen
- dass für eine gesunde Entwicklung des Kindes die Vater-Kind-Bindung genauso wichtig ist wie die Mutter-Kind-Bindung
- dass es der Gleichberechtigung von Frau und Mann entspricht, Familienarbeit und Erwerbstätigkeit so aufzuteilen, dass beide Aufgabenbereiche als gleichwertig erlebt werden
- dass die Eltern- und Paarebene eine bessere Balance finden kann.
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8. "Allparteilich zu sein, gelingt uns besser!“
Erstes Resümee
Die Mitarbeit eines Beraters hat die Arbeit der Beratungsstelle sehr bereichert.
Beraterinnen gelang es mehr als bisher, sich mit männlichen Bedürfnissen im Kontext von Schwangerschaft auseinander zu setzen und bewusster darauf zu achten, einseitige Loyalitäten mit der schwangeren Frau, die sich oft als Opfer sieht, zu vermeiden.
Rat suchende Frauen empfanden es als entlastend, dass ihr Partner ein eigenes Beratungsangebot wahrnehmen kann, so dass sie die Lösung der Probleme nicht für ihn übernehmen muss, sondern er selber seine Fragen klären kann.
Das Angebot zur Paarberatung als Co-Beratung (durch ein Beraterpaar) hat verstärkt Männer angesprochen, sich auf eine Bewältigung ihrer Beziehungskonflikte mit der Partnerin einzulassen, um mit Blick auf das Kind Elternschaft verantwortungsbewusst leben zu können.
Stärker als bisher wurden in der Beratung Fragen zur Gestaltung der Vater- und Mutterrolle formuliert und das Wohl des Kindes in den Blick genommen.
Diese Erfahrungen zeigen, dass das Projekt für die Stärkung von Familien eine besondere Bedeutung hat, und zwar deshalb, weil schon während der Schwangerschaft der Akzent auf die Förderung der gemeinsamen Elternkompetenz gelegt und die Paarebene gestärkt wird. Mann und Frau finden einen je eigenen und einen gemeinsamen Raum in der Beratung, indem sie in ihrer je spezifischen Erlebnisweise angesprochen werden und in gegenseitigem Austausch erfahren, wie wichtig eine offene Kommunikation für die Gestaltung ihrer Paarbeziehung und ihrer Rolle als Vater und Mutter ist.
Somit ist dieses Väterprojekt ein Versuch, zur Gleichstellung von Mann und Frau im Familienleben beizutragen und zum kommunikativen Umgang mit Krisen und Konflikten, die oft den Übergang zur Elternschaft begleiten, anzuregen, um so Eltern für ihre Familienaufgaben zu stärken.

Christa Pesch,
Dipl. Sozialp
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