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Unsere BeratungsangeboteVäter(t)räume![]()
Das Thema hat eine doppelte Bedeutung: Väter(t)räume. Es geht um Väterträume und Väterräume in Familie und Gesellschaft, es geht auch um die Räume für Väterträume. Reinhard Mey hat ein väterliches Lied an seinen Sohn geschrieben. Der Text erzählt von den Väterträumen und den Väterräumen und in welchen Räumen diese Väterträume Platz haben. Vaters Nachtlied (Text entnommen aus dem Lied von Reinhard Mey) "Es tut mir leid, weißt du, ich konnte halt nicht früher kommen. War das eine Verhandlung. Mann oh Mann, bis kurz nach acht. Na, hast du Benno Bär und Fritz Fuchs mit ins Bett genommen Und Krümelmonster auch? Ich habe viel an dich gedacht. Waren die Großeltern da, ist das ein schöner Tag gewesen? Und hast du deine Mutter wieder um ein Eis erpresst? Und ich? Ach, ich hab' erst mal den Börsenbericht gelesen. Und dabei überlegt, wie sich dein Schlauchboot kleben lässt. Und dabei überlegt, wie sich dein Schlauchboot kleben lässt. Dann gab Herr Doktor Schulze-Wüstenfeld ein Arbeitsessen. Ich bin von einer Pobacke auf die andere gerutscht. Es gab "Pikantes Hirschragout", wie gern hätte ich stattdessen Eine Bratwurst mit dir geteilt und Lakritze gelutscht. Dann hab' ich glatt vergessen, über einen Witz zu lachen, den Herr Senator Kühn für unbeschreiblich komisch hält. Ich war wohl in Gedanken gerade beim Eierpampemachen. Derweil hat man mich gleich in den Kontrollausschuss gewählt. Derweil hat man mich gleich in den Kontrollausschuss gewählt. Es stimmt ja, seit ich da bin stimmen nicht nur die Bilanzen, die Wachstumsraten sind verdoppelt, der Index steigt. Heut' wär' der Tag gewesen, unseren Kürbis auszupflanzen. Und dann hätte ich dir gern, wie man Radieschen sät, gezeigt. Vielleicht ist mir heut' mein allergrößter Coup gelungen. Vielleicht der Großauftrag, von dem die ganze Firma träumt. Ganz sicher aber hab' ich heute nicht mit dir gesungen Und einen Tag, der niemals wiederkommt, mit dir versäumt. Und einen Tag, der niemals wiederkommt, mit dir versäumt." Reinhard Mey "Vaters Nachtlied" (CD: Mein Apfelbäumchen) Copyright: Chanson-Edition Reinhard Mey, Bonn Dies stellt die Frage nach dem Bewusstsein von Vaterschaft, von Vaterrolle, von Väterlichkeit. eine wichtige Frage, jedoch bisher zu wenig bedacht, gewiss aber zu wenig positiv bedacht. Was ist das, Väterlichkeit? Offensichtlich bestehen in unserer Gesellschaft keine genauen Vorstellungen von Väterlichkeit. Oder Väterlichkeit wird gemessen am Maßstab von Mütterlichkeit - und befindet sich damit schon wieder auf der Verliererstraße. Mitunter ist es daher notwendig, einen einfachen Satz zu konstatieren: "Jede bzw. jeder von uns hat einen Vater." Selbst die Psychologie hat diese Erkenntnis und dieses Thema vernachlässigt, weil vieles auf die Mutter-Kind-Diade reduziert wurde. Von Vater-Kind-Diaden war allzu selten die Rede. Als prägend wurden die Bindungserfahrungen in der Mutter-Kind-Diade angenommen. Auch das bekannte Wort von der "vaterlosen Gesellschaft" ist prägend für viele Ansichten von Väterlichkeit gewesen. In Wirklichkeit gibt es vielfache Väter:
Es handelt sich also nicht um eine "Vater-Morgana". Und es gibt Worte für diese Vaterrollen, für diese Väterlichkeit
Es gibt viele verschiedene Rollenaspekte, die sich mit Väterlichkeit verbinden können:
Ob die Vaterrolle gelingt, hängt neben vielen psychischen und sozialen Faktoren davon ab, ob die Männer sich in zwei verschiedenen Welten zurechtfinden. Nach außen sollen sie die kapitalistische Welt vertreten, mit Planung und Erfolg, Autonomie, Management und Zielerreichung. Nach innen sollen sie die christliche Idee vertreten, mit Gemeinsinn, gemeinschaftlichem Eigentum, gemeinschaftlicher Verantwortung, gemeinsamen Produktions- und Lebensverhältnissen. Dabei fehlt es aber zugleich an öffentlichen und öffentlich anerkannten Vaterfiguren in Staat und Kirche. Die Männer im öffentlichen Leben scheinen irgendwie keine Väter im Alltag zu sein. Wenn man die Fernsehprogramme beobachtet, so treten sie hier als Serienheiden, als Politiker oder als sonstige Rollenträger im öffentlichen Leben auf, die völlig unberührt von den Alltagssorgen einer Familie leben. Gibt es also keine öffentlichen Vorbilder für Väter, die als integer gelten, die eine Ausstrahlung haben, die eine Vision haben und zugleich den Familienalltag leben? Es fehlte im letzten Jahrhundert auch an Zeiten der Väterlichkeit. Wer um 1900 geboren wurde, geriet in die Wirren und Folgen des 1. Weltkrieges. Das bisher gültige Vaterbild zerbrach. Wer um 1920 geboren wurde, geriet in die Katastrophe des 2. Weltkrieges, das Bild vom Vater zerbrach erneut. Wer um 1940 geboren wurde, für den war in der Regel kein Vater erlebbar. Wer ab Mitte der 50er Jahre geboren wurde, also heute Vater ist oder wird, der gehört vielleicht zur ersten Generation, die die Möglichkeit hat, eine psychische Väterlichkeit zu entwickeln. Dabei gibt es nun sehr verschiedene Ideen und Lösungsversuche von Vaterschaft. Ich selber denke als ein Vater, der seit 22 Jahren mit Kindern lebt: Die Vaterrolle hat eine ganz neue Dimension in mein Leben hineingebracht, langfristige Planungen ebenso wie kindliches Spiel, Verantwortung für meine Kinder ebenso wie die Notwendigkeit, für mich Eigenräume zu sichern, Arbeitsmotivation ebenso wie viele neue Ebenen in der Partnerschaft, daneben aber auch neue Rollen in der Nachbarschaft, im Gemeinwesen usw. Die Elternschaft hat aber auch zugleich einen ungelösten Konflikt zwischen Erwerbsleben und Familienleben deutlich gemacht. Die meisten Partner haben, dies zeigen die Einstellungsuntersuchungen deutlich, eine partnerschaftliche Arbeits- und Aufgabenverteilung auch im Haushalt im Sinn. Oft ändert sich dies aber mit der Geburt des ersten Kindes. Die partnerschaftlichen Rollenvorstellungen stoßen auf unveränderte Produktionsverhältnisse, Arbeitszeitregelungen, Einkommensnotwendigkeiten. Und so entwickeln sich arbeitsteilige Lebensrhythmen und Lebenskonzepte. Die Ideen von der partnerschaftlichen Rollenteilung treffen bei vielen Familien auf alte Strukturen. 96,7 % aller Paare in Deutschland nehmen den ihnen zustehenden Erziehungsurlaub als Elternzeit. Etwas mehr als 2 % davon sind Männer. Gewöhnlich wird die These der "abwesenden Väter" aus solchen Zahlen abgeleitet. Das scheint mir aber zu kurz gegriffen. Ist dies nicht viel eher ein Hinweis auf die gesellschaftlichen Produktions- und Lohnverhältnisse als auf die Einstellung von Männern und Frauen? Endet die aktive Beteiligung an der Vaterschaft also tatsächlich nach der Teilnahme an der Schwangerschaftsgymnastik und dem dabei Sein im Kreißsaal? Nach wie vor sehen Väter einen vorrangig wichtigen Teil der väterlichen Verantwortung in der Existenzsicherung der Familie. Unbestritten tragen sie hier auch einen wesentlichen Teil zum Familienleben bei. Vater, das ist der Berufsträger, das ist der Verantwortliche für die Sicherung der Familie, so lautet oft die gängige Formel. Dies liegt aber nicht nur an den persönlichen, partnerschaftlichen und generativen Einstellungen, sondern eben auch an den Verdienstmöglichkeiten und an den Regeln des Arbeitslebens. Wer seiner Mutterrolle und wer seiner Vaterrolle wirklich Vorrang vor dem Berufsleben einräumt, wird nicht gleichzeitig im Arbeitsleben weiterkommen. Dies geht schon oft aus Zeitgründen nicht. Sehen Männer daher einen wesentlichen Beitrag für ihre Kinder also in der Existenzsicherung, im beruflichen Engagement, im Geldverdienen? Man muss sich also fragen, für wen arbeiten sie? Und sind sie gleichzeitig ansprechbar, verfügbar, zugänglich, anfassbar für Kinder? Gibt es eine Sehnsucht nach den Vätern und eine Sehnsucht der Väter nach der Familie? Allzu lange ist gefragt worden: "Was sollen die Väter?" Und es ist fast vergessen worden zu fragen: "Was wollen die Väter?" Es soll darum gehen, welches Leben Väter wollen und welche Perspektiven sie für eine gelingende Väterlichkeit haben. Es macht wenig Sinn, immer wieder die Abwesenheit von Väterlichkeit zu beklagen, vielmehr muss es darum gehen zu entdecken, welche Möglichkeiten Männer haben, in die Vaterrolle hineinzuwachsen und diese zu gestalten. Es mag dabei hilfreich sein, manchem Vater die Frage zu stellen-. "Wer ist der wichtigste Mann im Leben deines Kindes?" Johannes Böhnke Diplom-Sozialpädagoge, Köln
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