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Unsere BeratungsangeboteNein, meine Suppe esse ich nicht!![]() Gesunde Ernährung aus psychologischer Sicht Zumindest die ältere Generation kennt ihn noch, den "Suppenkaspar" aus dem Struwelpeter, jener Kindergeschichtensammlung, die wir heute eher zur sog. schwarzen Pädagogik rechnen. Kaspar weigert sich hartnäckig, seine Suppe zu essen, und "schließlich wog er noch ein Lot" und "am nächsten Tage war er tot". Heute sähe das Szenario eines Eltern-Kind-Konfliktes zum das Essen vermutlich etwas anders aus. Das Kind in der Geschichte würde z.B. sagen: "Nein, das gesunde Müsli esse ich nicht, nein, das Vollkornpausenbrot will ich nicht, ich will Schokoriegel, süße Limonade, Chips, Pommes frites..." und am Ende war das Kind zwar nicht tot, aber es war deutlich übergewichtig, wurde deshalb gehänselt, konnte keine Freunde finden, aß noch mehr... Ohne Zweifel - nicht nur das Essen selbst, sondern gesundes, "richtiges" Essen ist ein wichtiges elterliches Anliegen. Nun geht es hier nicht um ernährungswissenschaftliche Aspekte, sondern um psychologisch/pädagogische Gesichtpunkte einer gesunden Ernährung. Warum sind viele Eltern so sehr um eine gute Ernährung ihrer Kinder bemüht und gleichzeitig so enttäuscht und ärgerlich, wenn ihr Bemühen nicht die erwarteten Früchte trägt? Die Sorge für Nahrung – und damit für die Lebenserhaltung - gehört zu den elementaren und zentralen elterlichen Funktionen und hat damit einen sehr hohen Stellenwert in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Eben das macht diesen wichtigen Bereich auch störanfällig und zugleich einladend für Machtkämpfe zwischen Eltern und Kindern. Nicht wenige Erwachsene tun sich schwer damit anzuerkennen, dass Kinder ihre Nahrungsaufnahme in der Regel gut selbst regulieren können, dass die elterliche Verantwortung darin besteht, Mahlzeiten bereitzustellen, aber nicht, unter allen Umständen für deren Verzehr zu sorgen. Eltern, deren Kinder aus gesundheitlichen Gründen, z.B. Stoffwechselstörungen oder Allergien Ernährungseinschränkungen hinnehmen müssen, fühlen sich oft besonders belastet, weil sie ihrem Kind bestimmte Lebensmittel verweigern müssen. Dabei können Kinder mit solchen Einschränkungen nach aller Erfahrung recht gut umgehen, wenn Alternativen für das verbotene Essen (sowohl zu Hause als auch bei Besuchen oder im Restaurant) bereitgestellt werden. Hier ist Phantasie und Kreativität der Eltern ebenso gefragt wie konsequentes Handeln und lobende Bestätigung für die Leistung des Kindes. In unserer Zeit ist Essen für die meisten Familien in Fülle und Vielfalt vorhanden. Wir müssen nicht darum ringen, überhaupt etwas auf den Tisch zu bringen, wie das etwa in der Kriegs- oder Nachkriegszeit der Fall war und auch heute noch in vielen Entwicklungsländern ist. Fülle und Vielfalt der Nahrung, noch dazu deren leichte Verfügbarkeit machen die elterliche Sorge um eine angemessene und gesunde Auswahl eher schwerer als leichter, zumal es auch noch die geheimen Miterzieher in der Werbung gibt. Wir haben die sprichwörtliche Qual der Wahl und dies nicht nur hinsichtlich der Auswahl, sondern auch hinsichtlich des Umgehens mit dem Essen. Was ist denn nun aus psychologisch/pädagogischer Sicht wichtig, um eine gesunde Ernährung von Kindern zu gewährleisten oder zu befördern?
Feste Zeiten, an denen Mahlzeiten stattfinden, sind für viele Familien heute nicht mehr so einfach zu realisieren. Dennoch lässt sich bei entsprechendem Bemühen sicher erreichen, dass eine oder zwei Mahlzeiten am Tag zu festgelegten Zeiten stattfinden. Das gibt Kindern Sicherheit und Orientierung, und auch Erwachsene profitieren davon. Regelmäßige Mahlzeiten beugen am ehesten einem unkontrollierten Essen vor. Beim "Hunger zwischendurch" kann auf die jeweils nächste Mahlzeit verwiesen werden. Essen sollte keinesfalls nebenbei, beim Spielen, beim Hausaufgabenmachen, mal eben am Küchenschrank geschehen.
Ein schön gedeckter Tisch - bei besonderen Gelegenheiten auch ein festlich gedeckter Tisch – vermittelt Kindern (und Erwachsenen) die Erfahrung, dass Essen mehr ist als bloße Nahrungsaufnahme. Zur Kultur des Essens gehören auch bestimmte Regeln oder Rituale, sei es der feste Platz am Esstisch, den Kinder in der Regel bevorzugen, sei es die Höflichkeitsregel, erst mit dem Essen zu beginnen, wenn alle etwas auf dem Teller haben, nicht zuletzt das Ritual des gemeinsamen Tischgebetes.
Optimal ist, wenn das gemeinsame Essen in einer Atmosphäre von Ruhe und Entspannung verläuft. Das ist nicht immer möglich; es gibt Streit zwischen den Geschwistern, dicke Luft in der Familie.... Sie können als Erwachsene allerdings dafür sorgen, dass die Konflikte nicht während der Mahlzeiten ausgetragen werden. Nutzen Sie Ihre elterliche Richtlinienkompetenz dazu, dass beim Essen wirklich nur gegessen wird, nicht gleichzeitig Spiele gespielt, Hausaufgaben gemacht, gelesen, Fernsehen geschaut wird – hier ist insbesondere das gute Beispiel der Erwachsenen angesagt.
So wichtig klare Regelungen und Ordnungen beim Essen sind - Ausnahmen bestätigen die Regel und sind das Salz in der Suppe, wenn man sie als deutliche Ausnahmen deklariert. Wie diese Ausnahmen aussehen, hängt von den jeweiligen Ess-Regeln in der Familie ab. So kann es vielleicht sogar einen "Schmatztag" geben oder einen Tag, an dem mit den Fingern gegessen wird oder man den Nachtischteller ablecken darf. Kinder genießen diese Ausnahmen und können ohne weiteres wieder zum normalen Ablauf zurückkehren.
Lassen Sie das Kind selbst seinen Teller füllen; manchmal braucht es Hilfe, sich zuerst wenig und dann ein zweites Mal zu nehmen. Laden Sie es ein, Ungewohntes wenigstens zu kosten. Sollte Ihr Kind entscheiden, bei einer Mahlzeit nichts oder sehr wenig zu essen, braucht es den Hinweis, dass es eine Weile dauert bis zur nächsten Mahlzeit.
Kinder wie Erwachsene haben Vorlieben und Abneigungen beim Essen. Nun kann natürlich nicht für jede und jeden täglich die jeweilige Lieblingsspeise gekocht werden. Manche Familien machen gute Erfahrungen damit, dass an einem bestimmten Wochen(end)tag ein Essen nach den Wünschen der Kinder gekocht wird. Schön ist es für Kinder, sie bei entsprechendem Alter mit Einkäufen für das Essen und auch mit der Zubereitung des Essens bzw. Teilen des Essens zu betrauen. Gemeint sind hier nicht Handlangerdienste, sondern die eigenständige Zubereitung eines Teil der Mahlzeit. Schon sehr kleine Kinder können z.B. eine Quarkspeise rühren, größere einen Salat machen... Es stärkt das Selbstbewusstsein, fördert die soziale Kompetenz – das Kind erbringt eine Leistung für die Gemeinschaft – und fördert die Freude am Essen. Die Liste der Empfehlungen erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zum Schluss sei noch einmal die Bedeutung des elterlichen Beispiels bekräftigt, denn erst mit dem Vorbild der Eltern werden die genannten Anregungen wirksam werden können. "Kinder kann man nicht erziehen. Sie machen einem doch alles nach." Ingrid Rasch, Diplom-Psychologin Katholische Erziehungsberatungsstelle Köln
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